Wenn wir den Grundsatz des „Nicht-verletzen“ üben, bewegen wir uns einen großen Schritt näher auf eine paradiesische Zukunft zu.
Gesundheit im Sinne des Ayurveda
„Die Menschen, die täglich auf gesunde Nahrung und Aktivität achten; die das Gute vom Schlechten in jeder Angelegenheit unterscheiden und dann weise handeln; die nicht zu sehr an den Objekten der Sinnesorgane anhaften; die sich angewöhnen wohltätig zu geben; die alle als gleichwertig erachten; die wahrhaftig sind; die vergeben und nur die Gesellschaft guter Menschen suchen, die werden frei von allen Krankheiten.“
(Text aus der Vagbhata Ashtanga Hridaya, Sutrasthana 4.36)
Ayurveda spricht von Gesundheit, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
· Die drei Doshas (Vata, Pitta, Kapha; dazu unten mehr) sind im Gleichgewicht
· Verdauung und Stoffwechsel (Agni) funktionieren optimal
· Die Gewebe des Körpers sind stabil und richtig aufgebaut
· Die Abfallstoffe (Malas) werden ausgeschieden
· Die Sinne funktionieren ohne Einschränkung
· Der Mensch fühlt sich glücklich
· Der Mensch ist im Kontakt mit seiner Seele
Neben den Wirkprinzipien (Doshas: Vata, Pitta, Kapha), spielen in der Gesundheit die drei Säulen des Lebens, auf denen Wohlbefinden beruht, ebenfalls eine Rolle. Hierbei geht es darum in allen drei Bereichen wie Ernährung, Schlaf und Sexualität das richtige Maß zu finden.
Gesundheit dient dazu Ziele im Leben zu erreichen wie:
–rechtes Handeln im Einklang mit den universellen Gesetzmäßigkeiten,
-Erlangen von Wohlstand,
-Befriedigung der Bedürfnisse und
–erreichen von Freiheit und Glückseligkeit.
Svasthavritta – „die Lebensweise, die der eigenen Natur entspricht“
Seine eigene Natur/Konstitution zu kennen ist die Grundlage für eine gesundheitsfördernde Lebensweise. Nur wer seine Natur kennt, kann sich selbst helfen und seine Gesundheit erhalten oder wiederherstellen. In der Charaka Samhita wird Gesundheit mit einem Zustand des Glücks gleichgesetzt.
„Körper und Geist stellen die Grundlage für Krankheit und Glück dar. Ein ausgewogener Gebrauch (von Zeit, geistigen Fähigkeiten und den Objekten der Sinnesorgane) ist der Grund für Glück.“
(Caraka Samhita, Sutrasthana 1.55)
Was eine Konstitution ist und wie man seine eigene Konstitution herausfindet, wird weiter unten erklärt. Zunächst gibt es eine kleine Einführung in die ayurvedische Gesundheitslehre.
Kurze Einführung in die ayurvedische Philosophie und Gesundheitslehre
„Ayurveda“ kommt aus der altindischen Sprache Sanskrit, bedeutet übersetzt „das Wissen vom Leben“ und seine Spuren reichen bis in die Zeit der Veden 6000 vor Christus zurück. Die Caraka Samhita (älteste Textsammlungen der klassischen Literatur des Ayurveda; die Entstehung lässt sich nur grob zwischen ca. 150 v.Chr. – 100 n.Chr. datieren) bringt deutlich zum Ausdruck, dass Offenheit gegenüber neuen und anderen Gedanken in der Medizin wichtig ist. Die Studenten der Medizin wurden angewiesen, Wissen aus jeder Quelle anzunehmen. So sollte das Streben nach Wissen so weit gehen, dass man es selbst von seinen Feinden übernehme. Die ganze Welt bestehe aus Lehrmeistern für die Weisen und aus Feinden für die Dummen. (Caraka Samhita, Vimana Sthana, 8-14).
Durch diese Philosophie ist Ayurveda eine lebendige zeitlos gültige Wissenschaft, der es im Laufe ihrer Zeit gelungen ist, Einflüsse anderer Medizinsysteme zu integrieren und ist somit auch mit moderner Medizin vereinbar. Das Wissen vom Leben gründet auf die genaue Beobachtung der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeiten.
Der ganzheitliche Ansatz des Ayurveda besteht darin, den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele, der im ständigen Austausch und in enger Verbindung zu seiner Umwelt steht, nie isoliert zu betrachten, sondern immer in Beziehung zu seiner Umwelt.
Der Mensch ist mehr als sein physisches Gebilde. Er besteht als Einheit aus Körper, Geist und Seele. Die Seele (das Selbst) ist laut Ayurveda der unveränderliche Wesenskern, der auch nach dem Tod weiterexistiert und der Anteil, der nicht von Krankheit betroffen ist. Der Geist ist der gesamte emotionale und kognitive Bereich, die Psyche. Körper und Geist können von Krankheit betroffen sein, sie stehen in stetiger Wechselbeziehung zueinander.
Da zur Gesundheit das psychische, körperliche und soziale Wohlbefinden eines Menschen gehört, beschäftigt Ayurveda sich mit allen Aspekten des menschlichen Lebens und gibt weitreichende Empfehlungen zur Tagesgestaltung, zum Leben im Einklang mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit seiner Umwelt. Hierbei spielt die gewaltfreie, hauptsächlich vegetarische Lebensweise eine essentielle Rolle.
Zudem bietet Ayurveda ganzheitliche und individuelle Empfehlungen zu Ernährung, sinnvolle Tagesaufteilung, Körperpflege, Bewegung und Entspannung, die gut in den privaten sowie beruflichen Alltag integriert werden können, fördert somit die Gesundheit und kann so vor Krankheiten vorbeugen.
Im Bereich der Ernährung (alles ist Nahrung) gibt es im Ayurveda drei Ebenen, die es für eine ausgewogene Lebensweise zu berücksichtigen gilt:
- Nahrung, die den physischen Körper durch lebensnotwenige Elemente nährt (physische Nahrungsmittel)
- Die Eindrücke/Sinnesreize, die den Geist nähren (Umfeld, Menschen, Lektüre, Medien, …)
- Die sozialen Beziehungen, die Nahrung für die Psyche sind (zwischenmenschliche Beziehungen)
Ziel des Ayurveda ist, jeden Lebensbereich im gesunden Gleichgewicht zu halten, die Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Hierbei bedient es sich fünf angewandten Methoden zur Gesunderhaltung und Heilung:
- Ernährung (alle drei Ebenen)
- Lebensweise (förderlicher Tagesablauf; sinnvolle Arbeitstätigkeit; gesunde Einstellung zum Leben, zu sich selbst, zu Mitmenschen, zur Umwelt, …)
- Regelmäßige Reinigungskuren (Heilfasten)
- Hausmittel (es werden gewisse Nahrungsmittel als Medizin genutzt; Kräuter, Wurzeln, gefiltertes abgekochtes Quellwasser, …)
- Arzneien (überwiegend aus pflanzlichen und mineralischen Bestandteilen; selbst herstellbar)
Mit Ayurveda lässt sich sinnvoll vor Erkrankungen vorbeugen, die aufgrund einer ungünstigen Lebensweise und Ernährung entstehen, wie beispielsweise Erkrankungen:
· des Stoffwechsels und Bewegungsapparates,
· des Immunsystems,
· Atemwegserkrankungen,
· Erkrankungen des Herz-Kreis-Lauf-Systems,
· gynäkologische Erkrankungen.
Auch lässt sich mit Ayurveda vor psychosomatischen und stressbedingten Erkrankungen vorbeugen.
Ayurveda betrachtet den Menschen als „Mikrokosmos“, der im Austausch mit dem „Makrokosmos“ des Universums steht. Sowohl die physische Nahrung, die der Mensch von außen in sich aufnimmt, als auch die Umweltbedingungen, wie soziale Kontakte, Medienkonsum, die Arbeitsbedingungen oder auch Umwelteinflüsse, wie Tages- und Jahreszeiten oder auch die unterschiedlichen Lebensalter, haben Einfluss auf die Gesundheit des Menschen.
So will jeder Lebensbereich gut überdacht sein, um Körper, Geist und Seele gesund zu erhalten.
Wir leben „Ahimsa“
Im Ayurveda heißt es, dass sich der Konsum gewaltvoll erworbener Nahrung schädlich auf die geistig-psychische, seelische und körperliche Gesundheit und Ausgeglichenheit auswirkt.
Alles, was wir unserem Nächsten tun, das tun wir auch uns selbst an.
So steht das „ahimsa“-Gebot in der Ayurveda Lehre, die sich auf über 2500 Jahren vedische Schriften und Aufzeichnungen stützt, an erster Stelle. „Ahimsa“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt „das Nicht-Verletzen“, Gewaltlosigkeit. Diese Ahimsa-Regel gilt bei allem, was man in und auf den Körper gibt, bei allem, was man tut, sagt und denkt. Alles Verletzende soll zumindest auf ein unumgängliches Minimum reduziert werden.
An dieser Stelle will gesagt werden, dass du auf dieser Existenzebene des Werdens und Vergehens nicht zu 100% gewaltfrei leben kannst. Irgendwo wird ständig eine Ameise zertreten, Holz verbrannt und Insekten in Massen vernichtet, auch wenn wir uns rein pflanzlich oder sogar nur von Prana ernähren. Mache dir also keinen allzu großen Druck und versuche einfach nach deinen Möglichkeiten zu handeln, nach bestem Wissen und Gewissen.
Wir tun, was wir tun können.
Wenn wir unsere Menschlichkeit mit dem göttlichen Bewusstsein vereinen, dann spüren wir, dass es dem Gesetz der Liebe und des Mitfühlens widerspricht einem Tier sein Leben zu nehmen, um es zu essen oder einem anderen Lebewesen etwas zu stehlen. Wir sollen nicht verletzen/töten/ausbeuten. Das gilt sowohl dafür keinen Menschen zu verletzen und auszubeuten, als auch kein Tier zu verletzen und auszubeuten. Das ist das, was wir tun können; wir können uns dafür entscheiden, andere Lebewesen am Leben und in ihrer Freiheit zu lassen.
Wenn wir Leben nehmen, wird nach und nach auch unsere Lebenskraft genommen. Wenn wir Leben nehmen oder etwas im Außen Schaden zufügen, dann stumpft der Geist und die Psyche ab.
Nicht nur unserer eigenen Gesundheit zu liebe möchten wir versuchen Ahimsa zu praktizieren, sondern auch aus Liebe zur Schöpfung und aus Nächstenliebe aller fühlenden Geschöpfe auf Erden.
Wenn wir den Grundsatz des „Nicht-verletzen“ üben, bewegen wir uns einen großen Schritt näher auf eine paradiesische Zukunft zu.
Eine sattvische Ernährung anstreben
Sattvische Nahrungsmittel sollten die Grundlage unserer Ernährung sein, um unsere Körper so rein und vital wie möglich zu halten.
(Sanskrit ´sattva´: Reinheit, Licht, Harmonie, Freude, Gleichgewicht; aus der „höchsten Wahrheit/Reinheit kommend“ und zur „höchsten Wahrheit/Reinheit führend“)
Als sattvisch gelten Nahrungsmittel, die:
-in ihrer ganzen Form geblieben sind,
-frisch,
-chemisch unbehandelt,
-gut verdaulich,
-reich an Vitalstoffen, und
-als Geschmacksrichtung süß sind.
Sattvische Nahrungsmittel wurden ohne Gewaltanwendung nach dem Ahimsa-Prinzip („Ahimsa“ aus dem Sanskrit „Nicht-Verletzen“) gewonnen, das heißt:
umwelt-, insekten-, tier- und menschenfreundlich angebaut, geerntet und transportiert.
Die Zeit zwischen Ernte und Verzehr sollte so kurz wie möglich sein.
Die Mahlzeiten sollten so frisch wie möglich zubereitet sein und nicht abgestanden, gekühlt, gefroren oder aufgewärmt worden sein.
Auch die Zubereitung spielt eine wichtige Rolle in der sattvischen Ernährung. Die Mahlzeiten sollten mit Ruhe, Gelassenheit und in Liebe zubereitet werden. In der ayurvedischen Lehre heißt es auch, dass man während der Zubereitung nicht probieren solle, da dies die Achtsamkeit beim Kochen beeinträchtige.
Alle Gerichte werden ohne Zwiebeln, Knoblauch und Chili zubereitet.
Im Ayurveda wird empfohlen, dass der Anteil an sattvischen Nahrungsmitteln in der täglichen Ernährung möglichst 60% betragen solle. Rajasische Nahrungsmittel sollten unter 30 % bleiben und tamasische Nahrungsmittel unter 10%.
Was sind rajasische und tamasische Nahrungsmittel?
Rajasische Nahrungsmittel sind: chemisch verarbeitete Produkte aus konventionellem Anbau, die mit Pestiziden behandelt sind; scharf, bitter, sauer, salzig, trocken, sehr heiß oder sehr kalt.
Tamasische Nahrungsmittel sind: abgestandene und aufgewärmte Nahrungsmittel, Fertigprodukte, geräuchert, konservierte und chemisch haltbar gemachte Produkte (im Glas, eingeschweißt in Plastikverpackung oder aus der Dose), mit Zusatzstoffen, Light- und Diätprodukte.
Es folgt eine Auflistung sattvischer Nahrungsmittel, die in der täglichen Nahrungsaufnahme einen Anteil von mindestens 60% ausmachen sollten.
Die Konstitutionstypen und die drei Doshas
Vorab gilt es zu verstehen, dass in jedem Menschen die drei Wirkprinzipien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha wirken. Jedoch sind sie bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Das macht dann die Konstitution des Menschen aus. Die meisten Menschen haben eine Mischkonstitution, bei denen zwei Doshas ungefähr gleich stark ausgeprägt sind, während ein Dosha etwas weniger oder etwas stärker vorherrschend ist. Es gibt auch Menschen, bei denen alle drei Doshas etwa gleich stark ausgeprägt sind (das nennt man dann "Tridosha").
Ziel im Ayurveda ist es alle Doshas im Gleichgewicht zu halten.
Mit individuellen Empfehlungen, die für die unterschiedlichen Konstitutionstypen geeignet sind, können vorherrschende Doshas reduziert, sowie weniger stark ausgeprägte Doshas gesteigert werden, sodass der Körper sich in einem optimalen Gleichgewicht befinden kann.
„Gleiches verstärkt Gleiches und Gegensätze heben sich auf“, ist eines der universellen Gesetzmäßigkeiten im Ayurveda, mit deren praktischer Anwendung man im Sinne von Gesundheit für ein Gleichgewicht sorgen kann.
Je nach Jahreszeit, Lebensalter, beruflicher Tätigkeit, Aktivität, psychischer Verfassung und äußeren Umständen gibt es individuelle, typgerechte Empfehlungen, die das Gleichgewicht des Menschen fördern und somit die Gesundheit erhalten oder wiederherstellen können.
Die Doshas Vata, Pitta und Kapha
Dosha bezeichnet die drei verschiedenen Wirkprinzipien Vata, Pitta und Kapha.
Vata entspricht hierbei dem Prinzip der Bewegung und ist somit für alle Bewegungsvorgänge im Körper, wie Atmung, Transport von Stoffen und geistige Beweglichkeit zuständig.
Als Beispiel: Die Wirkung von Vata macht sich an einem kalten Wintertag nach einer Wanderung in den Bergen bemerkbar durch Frieren und trockener, rauer Haut.
Pitta repräsentiert das Prinzip der Transformation, Verstoffwechselung und Umwandlung, wie die Verarbeitung von Nahrung, Sinnesreizen und Erlebnissen.
Als Beispiel: Die Wirkung von Pitta macht sich bemerkbar durch Sodbrennen und Gereiztheit nach einer scharfen, fettigen Mahlzeit. Womöglich neigt man zu hitzigen Gesprächsthemen oder Diskussionen bei Tisch.
Kapha repräsentiert das Prinzip der Stabilität und Struktur, es hält den Körper zusammen und gibt ihm seine Form.
Als Beispiel: Die Wirkung von Kapha macht sich an einem kühlen Regentag im Frühjahr etwa gegen 8 Uhr morgens nach einem üppigen Frühstück bei der Arbeit bemerkbar. Man fühlt sich träge und schwer, kommt nicht so richtig in die Gänge und es überkommt einen die Müdigkeit.
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